Verursacher der erstmals 2002 innerhalb der EU in den Niederlanden beobachteten Bakterienkrankheit ist Pseudomonas syringae pv. aesculi. Der Erreger befällt bisher nur die weiß- und rotblühende Kastanie (Aesculus hippocastanum, Aesculus x carnea), weniger hingegen andere Aesculus-Arten (A. pavia, A. flava). Geschädigt werden können Pflanzen jeglicher Altersklasse und Nutzung (Einzelbaum, Alleebaum). Symptomatisch anzuführen ist das Absterben einzelner Äste in Verbindung mit einer schütteren Krone sowie Aufhellung des Laubes sowie im Frühjahr auffällige, blutende Flecken am Stamm oder an den Ästen (zunächst farblos bis gelblich, später dunkel gefärbt; "Teerflecken"). Unter den Befallsstellen kommt es zur Ausbildung brauner, später schwarz gefärbter Kambiumnekrosen mit einer anschließender Rissbildung am Stamm. Die blutenden Flecken trocknen den Sommer über äußerlich ein und verbleiben weiterhin gut erkennbar als schwärzliche Kruste. Die geschilderte Symptomatik ähnelt einer Infektion an Kastanie mit Phytophthora-Arten, sodass zur sicheren Diagnose stets eine Labordiagnose erforderlich ist. Hierzu steht mittlerweile eine schnelle PCR-Methode (6 Stunden) zur Verfügung (genutzt werden unterschiedliche Gensequenzen des Gyrase-B-Gens). Eine klare Trennung vom ähnlichen Schadbild einer Phytophthora-Erkrankung ist damit sicher möglich.
Da der Erreger noch recht neu ist und ein noch nicht näher absehbares Schadpotenzial besitzt sollte bei einem Verdacht auch stets das Pflanzenschutzamt mit einbezogen werden. Details zur möglichen Infektion der Bäume sind bisher nicht bekannt, gefördert wird die sich ausbreitende Krankheit vermutlich durch höhere Temperaturen. Der Erreger und die damit auftretenden Schäden sind bisher nicht nur aus Deutschland (Schwerpunkt: Westdeutschland) und den Niederlanden bekannt sondern u.a. auch aus Belgien und Frankreich. Die eigentliche Heimat des Erregers ist unbekannt, vermutet wird der asiatische Raum. Eine Rodung infizierte Bäume ist aus heutiger Sicht nur dann erforderlich wenn andere der Bakterieninfektion nachfolgende Erreger (u.a. Holz zersetzende Pilze, Schadinsekten) den Baum weiter befallen und/oder die Verkehrssicherheit gefährdet ist. Insbesondere vitale Bäume können lokale Stammschäden abschotten und den Schaden somit begrenzen. Altbäume widerstehen dem Erreger deutlich besser als Jungbäume, die durchaus nach einigen Jahren absterben können.
Vorbeugung und Bekämpfung:
Nach dem Schnitt infizierter Äste Messer desinfizieren, betroffenes Material verbrennen (Kompostierung nur bei gesicherter 60°C-Temperatur), keine Nutzung des Holzes im geschredderten Zustand als Mulch, sofern Holzabtransport erforderlich (gerodete Bäume o.ä.) geschlossene Behälter bzw. Fahrzeugabdeckungen nutzen, derzeit keine Empfehlung zur Nachpflanzung von Kastanien am gleichen Standort. Stets Kontakt mit dem Pflanzenschutzamt aufnehmen (neuer Erreger). Sofern möglich Optimierung der Standort- und Wachstumsbedingungen.