ARBOFUX - Diagnosedatenbank für Gehölze

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Feuerbakterium

Blattsymptome an Platane Abb.: Blattsymptome an Platane
Symptomatik und Biologie:
Das ursprünglich in Nord- und Südamerika beheimatete Bakterium Xylella fastidiosa wird von im Xylem saugenden Insekten übertragen und kann an über 350 Wirtspflanzen zu vielfältigen Symptomen bis zum Absterben der Pflanzen führen; Einstufung als Quarantäne-Schaderreger. Im deutschen Namen ("Feuerbakterium") ähnelt es dem "Feuerbrand", der jedoch durch ein anderes Bakterium (Erwinia amylovora) verursacht wird und nicht mit ihm verwechselt werden darf. Erste Nachweise für Europa bzw. für die EPPO-Region liegen aus dem Jahre 2013 vor (Italien, massive Ausfälle bei Oliven), dem weitere Nachweise aus Italien, Frankreich und auch Deutschland (2016) folgten. Ende der 1990erJahre und Anfang der 2000er Jahre gab es bereits Einzelnachweise aus dem Iran und später auch aus Taiwan.
Die Bakterien sind von stäbchenförmiger Gestalt (ca. 0,3x1-4 µm), wobei in bisher vier Unterarten (Subspecies) unterschieden wird, die jeweils unterschiedliche Wirtspflanzen (mit Überschneidungen) befallen können (Xylella fastidiosa ssp. multiplex, Xylella fastidiosa ssp. pauca, Xylella fastidiosa ssp. sandyi, Xylella fastidiosa ssp. fastidiosa). In der Summe sind bisher über 350 Wirtspflanzen aus 75 Pflanzenfamilien beschrieben (davon sind bisher rund 60 Arten auch für Europa nachgewiesen). Betroffen sind sowohl Zierpflanzen (u.a. Nerium, Polygala), Obstgehölze und Wein (u.a. Prunus, Vitis, Coffea), Laubgehölze (u.a. Acer, Quercus, Platanus, Magnolia) als auch verschiedene Kräuter (u.a. Rosmarinus, Lavandula). Nicht immer kommt es zu Schadsymptomen, eine Infektion kann auch längere Zeit latent vorliegen. Schadausmaß und Symptome variieren in Abhängigkeit von der Subspecies und der Wirtspflanze. Die Arten Coffea, Lavandula dentata, Nerium oleander, Olea europaea, Polygala myrtifolia und Prunus dulcis werden dabei seitens der EU als besonders anfällig eingestuft.
Mögliche Symptome umfassen u.a. Verbräunung von Blatträndern, Welkesymptome, Chlorosen, bronzeartige Verfärbungen der Blätter. Meist sind erst nur wenige Äste betroffen, später dann auch die ganze Pflanze. Die Symptome sind nicht typisch, es besteht die große Gefahr von Verwechslungen mit anderen Schadursachen (u.a. Wassermangel, Salzschäden, Nährstoffprobleme). Verursacht werden die Symptome durch die Besiedlung des Xylems, sodass die Gefäße verstopfen und der Transport von Wasser und Nährstoffen reduziert und später ganz unterbunden wird. In Abhängigkeit von der Wirtspflanze sind (international) verschiedene Krankheitsnamen gebräuchlich, u.a. Pierce disease (Wein), phony disease (Pfirsich), leaf scorch (verschiedene Laubgehölze) oder variegated chlorosis (Zitrus). Ein sicherer Nachweis der Bakterien ist nur mit Hilfe molekularbiologischer (u.a. PCR) oder serologischer Nachweisverfahren möglich (u.a. IF, ELISA). Die mikrobiologische Isolierung ist schwierig, da spezifische Nährböden erforderlich sind, zudem kann es bis zu einem Monat dauern bis der Erreger Kolonien ausbildet.
Übertragen wird Xylella fastidiosa durch im Xylem saugende Zikaden (insbesondere Zwerg- und Schaumzikaden), dies gilt auch für die bei uns verbreitete Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius). Vermutlich ist aber eine Übertragung auch durch andere, xylemsaugende Insekten möglich. Die Bakterien lagern sich im Bereich des Vorderdarms ab, eine systemische Verbreitung im Insektenkörper erfolgt aber nicht. Larven als auch Imagines können die Bakterien aufnehmen und ohne Zeitverzögerung (keine Latenzzeit) wieder auf andere Pflanzen übertragen. Während die Larven/Nymphen nach der Häutung wieder Bakterien-frei sind (Ursache: von der Häutung ist ebenfalls der Vorderdarm betroffen) können die Imagines über ihre gesamte Lebenszeit die Bakterien abgeben, eine transovariole Übertragung auf die Nachkommen (Eier) erfolgt aber nicht.
Aufgrund der Gefährlichkeit des Erregers wurde 2015 seitens der EU ein Durchführungsbeschluss in Kraft gesetzt (mit weiteren Modifizierungen im Jahr 2016 und 2017 [2017/2352]), der bei einem Nachweis innerhalb der EU die Schaffung von einer Befalls- und Pufferzone zur Folge hat (abgegrenztes Gebiet), gekoppelt mit verschiedenen Maßnahmen (u.a. Rodung von Pflanzen, Monitoring, Handelrestriktionen).
Vorbeugung und integrierte Bekämpfungsmaßnahmen:
Eine unmittelbare Bekämpfung des bakteriellen Erregers ist nicht möglich. Es verbleiben Maßnahmen der Vorbeugung und Kontrolle sowie das Entfernen infizierter Pflanzen (aktuellen Durchführungsbeschluss der EU beachten, Kontrolle zugekaufter Ware, Erlass von Importbeschränkungen, Meldepflicht).
Wichtige Wirtspflanzen: (mit Lebensbereich nach Prof. Dr. Kiermeier; Erläuterung)
AcerAesculusAlnusCornusFagusFraxinusGleditsiaHederaIlexJuglansLigustrumMagnoliaPinusPlatanusPopulusPrunusQuercusRosaSalixSambucusVinca
 
Blattsymptome an Ulme (großes Bild)
Blattsymptome an Ulme
Blattsymptome an Eiche (großes Bild)
Blattsymptome an Eiche
Blattsymptome an Ahorn (großes Bild)
Blattsymptome an Ahorn
Blattsymptome an Ulme (großes Bild)
Blattsymptome an Ulme

Absterbeerscheinungen an Eiche  (großes Bild)
Absterbeerscheinungen an Eiche
Blattsymptome an Ahorn (großes Bild)
Blattsymptome an Ahorn

Text: Th. Lohrer/HSWT, Stand: Februar 2018

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