ARBOFUX - Diagnosedatenbank für Gehölze

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Bronzefarbener Birkenprachtkäfer

Fraßgänge mit Larve unter einer freigelegten Rinde Abb.: Fraßgänge mit Larve unter einer freigelegten Rinde
Symptomatik und Biologie:
In Nordamerika (USA, Kanada) ist der Bronzefarbene Birkenprachtkäfer (Agrilus anxius) als dort heimische Prachtkäferart ein wichtiger Schädling an Birken, der in Abhängigkeit von der Birkenart nicht nur geschwächte, sondern auch gesunde Pflanzen befallen und zum Absterben bringen kann. Konkrete Probleme bereitet weniger der Käfer als vielmehr seine Larven, die minierend unterhalb der Rinde leben. Für Europa ist Agrilus anxius als Quarantäneschädling eingestuft, bisher liegt (wie auch für Asien) auch noch kein Nachweis vor. Alle nachfolgenden Angaben zur Biologie beruhen somit auf amerikanischen Erfahrungen.
Die im Frühjahr schlüpfenden Käfer hinterlassen im Stamm und den befallenen Ästen die für Prachtkäfer (entsprechend ihrem Körper-Querquerschnitt) allgemein typischen D-förmigen Löcher (Breite: 3-5 mm). Nach einem kurzen, aber zu vernachlässigenden Fraß an den Blättern (nicht nur an Birke, auch an anderen Pflanzen wie Erle und Pappel) kommt es zur Paarung und anschließenden Eiablage der Weibchen (ausschließlich an Betula-Arten). Die schlanken Käfer sind 6-9 mm (Männchen) bzw. 8-12 mm (Weibchen) groß und besitzen eine kupfer-bronzene Färbung (Namensgebung). Ihre insgesamt 75 Eier legt das Weibchen einzeln oder in kleinen Haufen (durchschnittlich: 6-7 Eier) in die Rindenritzen von Birken ab (Eier: oval, 1,5x0,75 mm, erst weißlich, später gelblich), bevorzugt werden dabei besonnte Stellen. Die innerhalb von zwei Wochen schlüpfenden Larven bohren sich in die jeweiligen Äste oder Stämme ein. Dort fressen sie unterhalb der Rinde im Bast, Kambium und Splintholz ihre in Abhängigkeit von der Birkenart und deren Anfälligkeit 75-125 cm langen mäanderartig gewundenen, mit Bohrmehl gefüllten Gänge. Die creme-weißen, länglichen und abgeflachten Larven durchlaufen vier Entwicklungsstadien und erreichen dabei meist eine Größe von 8-20 (-38) mm. Der Kopf ist in das erste, zudem vergrößerte Brustsegment eingezogen, das letzte Segment am Hinterleib trägt (wie auch andere Agrilus-Arten) ein Paar zangenförmige, braune Fortsätze. Neben Spechten als wichtigen Prädatoren treten verschiedene Schlupfwespen als Ei- und Larvenparasitoide auf. Im Regelfall werden zwei Jahre (warme Regionen: ein Jahr) für die Entwicklung vom Ei bis zum Käfer benötigt (es überwintert zum Schluss das L4-Larvenstadium), die Verpuppung erfolgt im äußeren Splintholz (Puppe: weißlich, später bräunlich). Der schlüpfende Käfer lebt etwa drei Wochen.
Die nordamerikanischen Birkenarten (u.a. Betula papyrifera, Betula populifolia) sind gegenüber einem Befall gefährdet, sofern diese durch abiotische oder biotische Faktoren geschwächt sind (u.a. Trockenheit, Wurzelschäden, Schädlingsbefall) oder es sich um ältere Pflanzen handelt; Betula nana gilt als resistent und Betula nigra als nahezu resistent. Europäische und asiatische Arten (u.a. Betula pendula, Betula pubescens) sind deutlich anfälliger als die nordamerikanischen Arten und werden auch im gesunden Zustand befallen. Bereits ab einem Durchmesser von 2,5 cm ist eine erfolgreiche Besiedlung möglich. Grundsätzlich sind weißstämmige Birken anfälliger als Arten mit einer dunklen Rinde.
Die unter der Rinde fressenden Larven rufen anfangs eher unspezifische Schadsymptome hervor. So zeigen sich zu Beginn chlorotische und meist kleinere Blätter, dem in der Krone Absterbeerscheinungen, von außen nach innen fortschreitend, folgen. Auch kann es am Stamm zum Austritt von dunklem Pflanzensaft kommen oder zu Rindenflecken, einzelne Seitenäste oder ganze Stämme können auch abbrechen. Eine sichere Diagnose erlauben die Fraßgänge der Larven sowie die D-förmigen Ausschlupflöcher. Vitale Birken können sich einem Befall und der Entwicklung der Larvengänge durch eine vermehrte Kallusbildung unterhalb der Rinde wehren, die äußerlich auf der Rinde als wallartig verlaufende Beulen deutlich erkennbar ist.
Vorbeugung und integrierte Bekämpfungsmaßnahmen:
Quarantäneschaderreger; der Verdacht auf einen Nachweis ist dem nächsten Pflanzenschutzamt zu melden. Bei Neupflanzungen auf die unterschiedliche Anfälligkeit der Birkenarten achten. Einsatz von Insektiziden gegen die Larven oder Käfer. Für eine ausreichende Bewässerung/Nährstoffversorgung und einen artgerechter Standort sorgen. Rodung befallener Bäume vor dem Schlupf der Käfer, Behandlung von Verpackungsmaterial für den Export nach IPPC-Standards (ISPM Nr. 15).
Wichtige Wirtspflanzen: (mit Lebensbereich nach Prof. Dr. Kiermeier; Erläuterung)
Betula
 
Einzelne Puppe (freigelegt) (großes Bild)
Einzelne Puppe (freigelegt)
Fraßgänge unter einer freigelegten Rinde (großes Bild)
Fraßgänge unter einer freigelegten Rinde
Einzelner Käfer (großes Bild)
Einzelner Käfer
Abgestorbene Birkenbestände (großes Bild)
Abgestorbene Birkenbestände

Abwehr-Überwallungen der Pflanze über den Larvengängen (großes Bild)
Abwehr-Überwallungen der Pflanze über den Larvengängen
D-förmiges Ausbohrloch des Käfer (großes Bild)
D-förmiges Ausbohrloch des Käfer

Text: Th. Lohrer/HSWT, Stand: September 2017

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