ARBOFUX - Diagnosedatenbank für Gehölze

Startseite | Datenbank | Einstellungen | Hilfe zur Bedienung | Bildrechte | Hinweise an Arbofux | Video-Tutorial

Erlenrost

Uredosporenlager auf der Blattunterseite (Melampsoridium hiratsukanum) Abb.: Uredosporenlager auf der Blattunterseite (Melampsoridium hiratsukanum)
Symptomatik und Biologie:
An Erle sind insgesamt drei Rostpilzarten der Gattung Melampsoridium beschrieben (Melampsoridium betulinum, Melampsoridium hiratsukanum, Melampsoridium alni). Da sie in ihrer Biologie und Symptomatik jedoch viele Gemeinsamkeiten besitzen werden sie hier gemeinsam vorgestellt, obgleich der Fokus auf Melampsoridium hiratsukanum liegt. Die drei Arten lassen sich nur anhand der Uredosporen (oder genetisch) näher unterscheiden, darüber hinaus tritt Melampsoridium betulinum neben der Erle auch auf der Birke auf (führte hier auch zur Namensgebung). Grundsätzlich handelt es sich bei allen Arten an der Erle um wirtswechselnde Rostpilze (Wirtswechsel zu Lärche [Larix spp.]), der alle fünf Sporenfomen ausbildet (Euform). Der Wirtswechsel zur Lärche, verbunden mit den dort auftretenden Symptomen an den Nadeln und der Bildung von Sporenlagern (Spermogonien, Aecidien) wurde jedoch teils nur experimentell nachgewiesen bzw. besitzt nur in der Heimat des Pilzes (Ostasien) eine Bedeutung. An der Erle wird der Zyklus der Bildung der Uredosporen wiederholt durchlaufen und sorgt für die weitere Ausbreitung des Pilzes. Die Überwinterung erfolgt vermutlich ebenfalls als Uredospore oder als Myzel in den Knospen, da der Nachweis von einem Wirtswechsel zur Lärche wie geschildert bisher (für Deutschland) ausblieb.
Für Europa sind zwei zeitlich getrennte Erlenrost-Epidemien bekannt. Die erste Epidemie erfolgte in den 1970er Jahren durch Melampsoridium betulinum, ab Mitte der 1990er vollzog sich die zweite Epidemie durch den neu aus Asien eingeschleppten Erreger Melampsoridium hiratsukanum (die eingangs erwähnte dritte Art, Melampsoridium alni, ist bisher nur in Asien bekannt). Melampsoridium hiratsukanum wurde 1927 durch Hiratsuka erstmal als neue, nach ihm benannte Art für Japan (Fundort nahe Sapporo) beschrieben. Ein erster Nachweis für Europa liegt für diese Art erst 1996 aus den baltischen Staaten vor (Estland, Lettland, Litauen), dem rasch andere Länder folgten, u.a. 1997 Deutschland, Finnland, Polen und Österreich. Mittlerweile hat sich dieser Erreger in West-, Nord- und Mitteleuropa großflächig ausgebreitet. Die Quelle der ersten Einschleppung in das Baltikum ist unbekannt, vermutlich erfolgte sie über infizierte Pflanzen (Schiffe/Ostsee), diskutiert werden aber auch andere (zusätzliche) Möglichkeiten (u.a. im Gefieder von Vögel).
Befallene Erlenblätter zeigen bei Melampsoridium alni blattoberseits gelbe Punkte während sich nachfolgend auf der Blattunterseite etwa 0,2-0,5 mm kleine, später aber großflächig zusammenfließende Uredosporenlager ausbilden, die deutlich gelb bis gelb-orange gefärbt sind. Verbreitet ist der Befall an der Grauerle (Alnus incana), vergleichsweise häufig auch an der Schwarzerle (Alnus glutinosa), es können aber auch andere Erlenarten infiziert werden. Befallene Blätter sind zudem vom Blattrand her nach innen leicht eingerollt und gekräuselt. Die Symptome mit den rostfarbenen Blättern sind insbesondere im Sommer deutlich ausgeprägt. Die dunklen Teleutosporenlager (Durchmesser 0,5 mm) treten blattunterseits ab Juli auf, werden aber nicht immer ausgebildet. Bei einem stärkeren Befall kommt es in der Summe zu einem verfrühten Laubfall, einer dadurch lichteren Krone als auch zu möglichen Wuchsdepressionen. Bereits durch Phytophthora alni (Erlensterben) vorgeschädigte Pflanzen werden leichter und stärker befallen. Schäden bis zum Absterben von Pflanzen sind bei wiederholten Infektionen aus Nordeuropa beschrieben.

... zur mikroskopischen Sporenzeichnung

Vorbeugung und integrierte Bekämpfungsmaßnahmen:
Bekämpfungswürdig ist der Erreger insbesondere in der Produktion (Baumschule, Pflanzenanzucht), weniger hingegen am Endstandort, im Bedarfsfall können aber auch hier Fungizide eingesetzt werden. Aufgrund des in der Praxis bisher offenbar nicht gegebenen Wirtswechsels zur Lärche ist die Beachtung einer größeren räumlichen Entfernung zu diesem Wirt vermutlich nicht von Bedeutung (ausländische Quellen sehen das teils anders).

...einsetzbare Pflanzenschutzmittel (Gartenbau | Forst | Haus- und Kleingarten)

Wichtige Wirtspflanzen: (mit Lebensbereich nach Prof. Dr. Kiermeier; Erläuterung)
AlnusBetulaLarix
 
Erste Befallsanzeichen mit blattoberseits ersten kleinen Flecken (Melampsoridium hiratsukanum) (großes Bild)
Erste Befallsanzeichen mit blattoberseits ersten kleinen Flecken (Melampsoridium hiratsukanum)

Text: Th. Lohrer/HSWT, Stand: November 2016

Arbofux wird finanziell unterstützt von folgenden Firmen (eine Firmen-Vorstellung finden Sie hier als pdf-Datei):

finanzielle Unterstützer von Arbofux Pflanzenhandel Lorenz von Ehren Diwoky – Ihr Gartenfreund Scotts Celaflor Neudorff Verband der Weihenstephane Ingenieure e.V.

Zu ihrer Information: Eine kurze Vorstellung unserer Sponsoren (pdf-Datei)


Arbofux wird Ihnen
präsentiert von




Liste aller Schadbilder - deutschListe aller Schadbilder - fachlichKontakt|Impressum/Datenschutzerklärung