ARBOFUX - Diagnosedatenbank für Gehölze

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Eschenblattnestlaus

Auffälliges Blattnest in der Baumkrone Abb.: Auffälliges Blattnest in der Baumkrone
Symptomatik und Biologie:
An der Gewöhnlichen Esche (Fraxinus exelsior) treten zwei, in ihrer Biologie und Symptomatik sehr ähnliche, wirtswechselnde Blasenläuse auf (Pemphigidae), die meist als Eschenblattnestlaus (Prociphilus fraxini, Synonyme: Pemphigus fraxini, Prociphilus nidificus) und Eschenzweiglaus (Prociphilus bumeliae, Synonyme: Aphis bumeliae) bezeichnet werden. Beide Arten verursachen als Schadsymptom eine Kräuselung der Blätter sowie Stauchung und Krümmung der Triebe, das zur Bildung von auffälligen Blattnestern führt. Die Läuse besitzen als ungeflügelte Tiere (2-3 mm) deutliche Wachsausscheidungen und wechseln im späten Frühjahr (Juli) auf Tannenarten über (Gattung Abies). Dort leben sie jedoch ausschließlich an den Wurzeln ("Tannenwurzellaus") und vermehren sich hier über mehrere Generationen parthenogenetisch lebendgebärend. Auch hier zeichnen sich die Tiere durch eine deutliche Wachswollproduktion aus. Tendenziell besitzt Prociphilus fraxini nur eine geringe Wachsproduktion und verursacht an der Esche dichte, meist überfaustgroße Nester. Eine Besiedlung mit Prociphilus bumeliae bedingt hierzu im Gegensatz nur lockere Blattnester, wobei sich die Tiere jedoch durch eine vergleichsweise hohe Wachsproduktion auszeichnen. Die Übergänge sind bei beiden Arten in den Charakteren jedoch teils fließend und erlauben auf diese Weise nicht immer eine sichere Trennung. Stets kommt es jedoch zu einer reichlichen Honigtau-Produktion, der gerne von Ameisen (Gattung Lasius) aufgenommen wird, die auch meist sehr zeitig im Jahr in den Blattnestern anzutreffen sind. Prociphilus bumeliae tritt nicht nur an der Esche, sondern vereinzelt auch an anderen Gattungen aus der Familie der Ölbaumgewächse wie Ligustrum oder Syringa auf. Im Sommer lassen sich an der Esche nur die verlassenen Nester (mit den Exuvien der Läuse sowie Wachswollresten) nachweisen.
Die von den Läusen besaugten Wurzeln der Tanne (u.a. Abies alba) sind etwas abgeflacht und teils auch dunkel bis schwarz gefärbt. Oberirdisch kommt es zu Wachstumsdepressionen und Vergilbungen der Nadeln, bei einem starken Befall können die Pflanzen auch absterben. Im Herbst entstehen geflügelte Stadien (Sexuparae), die zur Esche fliegen und dort ihrerseits etwa 1 mm kleine, männliche und weibliche Geschlechtstiere lebendgebären. Das rötliche Weibchen legt später ein nur 0,4 mm kleines Ei in die Rindenritzen ab, das überwintert und aus dem im Frühjahr die Stammmutter (Fundatrix) schlüpft; andere Quellen verweisen auch auf eine Überwinterung als junge Fundatrix-Larve.
Neben Prociphilus fraxini und Prociphilus bumeliae sind weitere Prociphilus-Arten an der Esche beschrieben. Die in Nordamerika heimische Art Prociphilus fraxinifolii wurde in Europa erstmals 2003 in Ungarn nachgewiesen und hat sich mittlerweile als Neozoon weiter ausgebreitet (u.a. Bulgarien, Spanien, Polen, Großbritannien). Bei dieser Art ist jedoch zu beachten, dass kein Wirtswechsel erfolgt, die Art somit ganzjährig (oberirdisch) an der Esche auftritt. Darüber hinaus sind Abweichungen im Zyklus möglich, bei dem es während des Sommers zu einer Besiedlung der Wurzeln der Esche kommt. Ein erster Nachweis von Prociphilus fraxinifolii für Deutschland erfolgte 2015 (Brandenburg/Sachsen). Prociphilus americanus, eine weitere Art, vollzieht wiederum den Wirtswechsel von der Esche zur Tanne, wurde jedoch bisher in Europa noch nicht nachgewiesen.
Vorbeugung und integrierte Bekämpfungsmaßnahmen:
Bei älteren Eschen erübrigt sich eine Bekämpfung der Läuse, ein Rückschnitt verhindert jedoch eine größere Ausbreitung der Tiere. Vorbeugend auf eine größere räumliche Trennung von Esche und Tanne achten.

...einsetzbare Pflanzenschutzmittel (Gartenbau | Forst | Haus- und Kleingarten)

Wichtige Wirtspflanzen: (mit Lebensbereich nach Prof. Dr. Kiermeier; Erläuterung)
AbiesFraxinus
 
Blick in ein Blattnest (mit Wachswolle besetzte Läuse) (großes Bild)
Blick in ein Blattnest (mit Wachswolle besetzte Läuse)

Text: Th. Lohrer/HSWT, Stand: Mai 2018

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