ARBOFUX - Diagnosedatenbank für Gehölze

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Kleiner Buchenborkenkäfer

Brutbild mit sternförmigen Muttergängen Abb.: Brutbild mit sternförmigen Muttergängen
Symptomatik und Biologie:
Der Kleine Buchenborkenkäfer (Taphrorychus bicolor, Synonym: Bostrichus bicolor, Ips fuscus) galt lange forstlich oder auch für das Öffentliche Grün als wenig relevant, da er grundsätzlich nur abgestorbene Äste, gefällte Bäume oder aufgeschichtetes Holz befällt. Mitte der 70er Jahre traten in Deutschland nach einem Trockenjahr, verbunden mit heißen Sommern, regional größere Schäden auch in stehenden Buchenbeständen auf und ab dem Jahr 2003, mit einem ebenfalls heißen Sommer, trat dieser Borkenkäfer dann auch in anderen Regionen häufiger als Schaderreger von geschwächten bzw. gestressten Buchen auf. Mit Blick auf den Klimawandel wird die Bedeutung dieses Käfers sicher weiter steigen. Taphrorychus bicolor ist ein polygamer Rindenbrüter, wobei der Käfer mit zwei Generationen im Jahr auftritt. Die Hauptflugzeiten sind im März sowie Mai/Juni, wobei sich die beiden Generationen aber meist deutlich überlappen. Die Weibchen legen ein wenig regelmäßiges sternförmiges Brutbild mit meist 5-8, häufig längs orientierten Muttergängen mit einer eher undeutlichen Rammelkammer an. Entlang der Gangwände werden die Eier abgelegt. Da sich die Käfer- als auch später die Larvengänge teils überkreuzen zeigt sich insbesondere bei zusätzlichen, benachbarten Brutbildern zu einem späteren Zeitpunkt ein in der Summe recht ungeordnetes Fraßbild. Neben Buche als wichtigste Wirtspflanze können vereinzelt auch andere Laubgehölzen befallen werden (u.a. Hainbuche, Eiche und Birke).
Bedingt durch die beiden sich überlappenden Generationen können grundsätzlich alle Stadien (Eier ausgenommen) während der Überwinterung innerhalb der Rinde angetroffen werden. Die Käfer schwärmen im Frühjahr vergleichsweise zeitig (ab März), wobei hier seitens der Temperatur ein Grenzwert von 14 °C ermittelt werden konnte. Mit Blick auf den Tagesverlauf schwärmen die Käfer, nahezu monatsunabhängig, bevorzugt am frühen Nachmittag (Maximum: 16.00-17.00 Uhr) und meiden hier insbesondere die warmen Mittagsstunden. Der für eine erforderliche Brut notwendige Feuchtigkeitsgehalt des Holzes liegt in einem weiten Bereich (gerundet: 45-90%), sodass in sowohl bereits abgestorbenen Holz als auch frischen - wenn auch geschwächten - Bäumen aus dieser Blickrichtung betrachtet keine Begrenzungen seitens des Käfers vorliegen.
Die Einbohrlöcher der Käfer sind etwa 1 mm im Durchmesser und je nach Reaktion der Pflanze zeigen sich als Folge unterschiedliche Symptome. Bei einer erfolgreichen Besiedlung kommt es zum Austritt von braunem Bohrmehl aus dem Einbohrloch. Eine erfolgreiche Käferabwehr durch die Pflanze äußert sich durch um die Einbohrstelle auftretende, etwa 1-2 cm große, braun gefärbte Schleimflussflecken, die bei vielen Einbohrlöchern wasserspritzerartig verteilt auf dem Stamm vorkommen. Die braun bis schwarz gefärbten Käfer sind walzen- bis zylinderförmig und mit 1,6-2,2 mm ähnlich klein wie ein Kupferstecher. Der Absturz ist bei den Männchen deutlich abgeflacht, bei den Weibchen hingegen abgerundet. Bei näherer Betrachtung fällt bei dem Weibchen am Kopf (Stirnseite) ein heller Haarschopf auf. Verwechslungsmöglichkeiten ergeben sich mit einem anderen Borkenkäfer an Buche (Ernoporus fagi), der aber eine ähnliche Biologie besitzt, jedoch weniger von Relevanz ist. Die Larven sind wie die von allen Borkenkäfern beinlos, bauchseits gekrümmt, weißlich gefärbt und tragen eine braune Kopfkapsel.
Bedingt durch den Fraß der Käfer und später auch der Larven innerhalb der Rinde kommt es zur Schwächung und zum (raschen) Absterben der Pflanze, häufig beginnend meist mit einer schütteren Krone oder dem eintrocknen von Ästen oder ganzer Kronenteile. Bei etwaigen Bewertungen zum Auftreten (Anzahl der Ausbohrlöcher) ist zu beachten, dass nicht alle Käfer ihr eigenes Ausbohrloch besitzen sondern teils auch vorhandene Ausgänge bereits geschlüpfter Käfer nutzen. Der Kleine Buchenborkenkäfer tritt nicht selten auch vergesellschaftet mit dem Buchenprachtkäfer auf (Agrilus viridis; siehe dort).
Vorbeugung und integrierte Bekämpfungsmaßnahmen:
Stark befallene Bäume und Äste vor dem Schwärmen der Käfer entfernen, im Regelfall bis spätestens Ende Februar. Sofern möglich Schwächefaktoren vermeiden (Bewässerung).

...einsetzbare Pflanzenschutzmittel (Gartenbau | Forst | Haus- und Kleingarten)

Wichtige Wirtspflanzen: (mit Lebensbereich nach Prof. Dr. Kiermeier; Erläuterung)
BetulaCarpinusFagusJuglansPopulusQuercus
 
Einzelnes Einbohrloch (1 mm) (großes Bild)
Einzelnes Einbohrloch (1 mm)
Einbohrlöcher mit Bohrmehlauswurf (großes Bild)
Einbohrlöcher mit Bohrmehlauswurf
Schleimflussflecken außen am Stamm (großes Bild)
Schleimflussflecken außen am Stamm
Fortgeschrittenes Brutbild mit überkreuzten Gängen (großes Bild)
Fortgeschrittenes Brutbild mit überkreuzten Gängen

Käfer (oben: Weibchen, unten: Männchen) (großes Bild)
Käfer (oben: Weibchen, unten: Männchen)

Text: Thomas Lohrer/HSWT, Stand: April 2013

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