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Japankäfer

Einzelner Käfer (ähnlich: Gartenlaubkäfer) Abb.: Einzelner Käfer (ähnlich: Gartenlaubkäfer)
Symptomatik und Biologie:
Der ursprünglich in Japan, im nördlichen China und auf den Kurilen (Inselgruppe nördlich von Japan) beheimate Japankäfer (Popillia japonica) wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in die USA verschleppt (Erstnachweis 1916 in New Jersey) und ist dort, nicht jedoch in Japan, ein bedeutender Schädling (Bekämpfungsausgaben von jährlich mehreren Hundert Millionen US-Dollar). Für Europa liegen aus den 1970er Jahren erste Nachweise für die Azoren (Portugal) vor, im Jahre 2014 erfolgte der Nachweis auf dem europäischen Festland in Italien (Tessin) und 2017 auch in der Schweiz (Tessin). Der Käfer gehört in die Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) und ähnelt in seiner Biologie und dem Aussehen dem Gartenlaubkäfer.
Popillia japonica besitzt einen einjährigen Entwicklungszyklus, nur in kälteren Regionen benötigen die Larven (Engerlinge) zwei Jahre. Die Larven überwintern als L3-Stadium im Boden (ca. 25-30 cm tief; frostfrei) und nehmen im Frühjahr ab einer Bodentemperatur von 10°C wieder ihren Fraß auf (bevorzugt in den oberen 2,5-5 cm). Nach 4-6 Wochen kommt es zur Verpuppung im Boden, sodass die Käfer etwa ab Mitte Mai bis Mitte Juli auftreten; zur Anlockung der Männchen geben die Weibchen ein Sexualpheromon ab (Japonilure). Die Eier (weißlich, 1,5 mm) werden bis zu 10 cm tief in den Boden abgelegt, meist in kleinen Gruppen (2-4 Eier), wobei die Weibchen insgesamt bis zu 40-60 Eier ablegen können (wiederholte Paarung mit anschließender Eiablage); die Lebensdauer der adulten Tiere beträgt etwa 30-45 Tage. Innerhalb von zwei Wochen schlüpfen die cremefarbenen Larven, die sich durch ihre V-förmige Dörnchenreihe auf der Bauchseite am letzten Abdominalsegment von anderen Engerlingen unterscheiden. Insgesamt werden drei Larvenstadien durchlaufen, die im Durchschnitt jeweils eine Größe von etwa 10 mm, 19 mm und 32 mm erreichen. Wie alle typischen Engerlinge besitzen sie eine C-förmige Gestalt, eine braun gefärbte Kopfkapsel mit kräftigen Mandibeln und gut ausgebildete Brustbeinpaare; das abdominale Ende ist dunkel gefärbt. Die Verpuppung erfolgt im Boden (Puppe: 14 mm groß, 7 mm breit). Die Käfer ähneln dem Gartenlaubkäfer (Phyllopertha horticola) und sind etwa 12 mm groß und 5-7 mm breit; die Weibchen sind im Vergleich etwas größer. Kopf und Halsschild sind deutlich grün metallisch gefärbt, die Flügeldecken braun, deren Ende das Abdomen jedoch nicht vollständig bedeckt. Auffällig und ein gutes Erkennungsmerkmal der Käfer sind die jeweils fünf weißen, seitlich gelegenen haarigen Steifen am Abdomen und ein Paar ebenfalls weißliche Flecken auf dem letzten Abdominalsegment. Männchen und Weibchen lassen sich u.a. anhand dem vorderen Ende der Schiene (Tibia) unterscheiden (Männchen: spitz; Weibchen: abgeflacht).
Während die Larven im Boden an den Wurzeln fressen (besonders gefährdet: Gras- und Rasenflächen) treten die Käfer oberirisch an Blättern, Früchten und Blüten als Schädlinge auf. Käfer und Larven zählen mit einem Wirtspflanzenspektrum (in den USA) von rund 300 Pflanzenarten aus 80 Pflanzenfamilien zu den deutlich polyphagen Schädlingen. Charakteristisch ist das gesellige Auftreten der Käfer, wobei zuerst die oberen Pflanzenabschnitte besiedelt werden. Im Regelfall wird nur das Blattgewebe zwischen den Blattadern gefressen, sodass dort als typisches Schadbild ein netzartiger Fraßschaden ("Skelettierfraß") entsteht; befallene Blätter verbräunen und können auch abfallen. Aufgrund der Flugfähigkeit der Käfer kommt es auch zu einer natürlichen Ausbreitung (Dimension: 3-24 km/Jahr), wobei der tägliche Radius etwa 500 m betragen kann. Angelockt werden die Tiere u.a. von flüchtigen Ausscheidungen der Pflanze. Den Larven im Boden stellen verschiedene Prädatoren (u.a. Maulwurf, Vögel, Laufkäfer, Spitzmaus) und Parasitoide nach (u.a. Tiphia sp.), zudem manche Bakterien, Pilze und Nematoden, die teils auch zur Bekämpfung eingesetzt werden.
Vorbeugung und integrierte Bekämpfungsmaßnahmen:
Quarantäneschaderreger; der Verdacht auf einen Nachweis ist dem nächsten Pflanzenschutzamt zu melden. Einsatz von Insektiziden gegen die Larven und/oder Käfer. Für den Massenfang oder zum Monitoring sind Lockstofffallen verfügbar. Gegen die Larven können Nematoden (u.a. Heterorhabditis sp., Steinernema sp.), Bakterien (Paenibacillus popilliae) oder Pilze (Beauveria bassiana, Metarhizium anisopliae) eingesetzt werden, die u.a. auch natürlicherweise im Boden vorkommen. Mechanische Bodenbearbeitung zur Erfassung der bodennah fressenden Larven im frühen Herbst. Keine Bewässerung von Gras- und Golfflächen zur Hauptflugzeit (verminderte Attraktivität für eine Eiablage der Weibchen). Mechanisches Absammeln der Käfer.
Wichtige Wirtspflanzen: (mit Lebensbereich nach Prof. Dr. Kiermeier; Erläuterung)
AcerAesculusBetulaCastaneaCorylusJuglansMalusPlatanusPopulusPrunusRosaSalixTiliaUlmus
 
Lokale Ansammlung von Käfern (großes Bild)
Lokale Ansammlung von Käfern
Einzelne Puppe (großes Bild)
Einzelne Puppe
Mehrere Larven ("Engerlinge") (großes Bild)
Mehrere Larven ("Engerlinge")
Charakteristischer Skelettier-Fraßschaden der Käfer (großes Bild)
Charakteristischer Skelettier-Fraßschaden der Käfer

Text: Th. Lohrer/HSWT, Stand: September 2017

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